BEST-PRACTICE-BEISPIELE FÜR GERING QUALIFIZIERTE BESCHÄFTIGTE

Warum Erwachsene keinen Anschluss an Bildung haben, kann viele Gründe haben. Hierzu zählen unter anderem geringe allgemeine oder berufliche Qualifikationen, Analphabetismus, Arbeitslosigkeit oder Geringbeschäftigung, die Herkunft aus Familien mit niedrigem sozialen Status oder aus benachteiligten Stadtvierteln. Studien zeigen, dass lediglich etwa 10% der Geringqualifizierten an Weiterbildung teilnehmen – unter Akademiker*Innen ist dieser Prozentsatz viermal so hoch. Aus diesem Grund haben wir bei unseren Recherchen einen Schwerpunkt auf gering qualifizierte Beschäftigte gelegt und möchten damit zur vermehrten Teilnahme dieser Gruppe an Weiterbildung beitragen. Dabei haben wir die im Folgenden an diese Zielgruppe gerichteten dargestellten erfolgreichen und übertragbaren Projekte ermittelt.

Project GO

FÖRDERUNG DER GRUNDKOMPETENZEN ERWACHSENER, SCHWEIZ

ÜBER DAS PROJEKT

Mit dem Projekt GO sollen die Grundkompetenzen insbesondere erwachsener Arbeitnehmer* Innen gefördert werden. Da zwei Drittel der Personen, die von einer Verbesserung der eigenen Fähigkeiten profitieren würden, in Arbeit stehen, ist das Ziel des Projekts, genau diese Personengruppe aufzusuchen und für sie Fortbildungen in ihren Unternehmen anzubieten. GO ist in zwei Phasen unterteilt: GO1 fand zwischen 2009 und 2011 statt und wurde in großen Unternehmen erprobt. Bei GO2 von 2012 bis 2015 lag der Schwerpunkt auf kleineren und mittleren Unternehmen. Das Projekt wurde vom SVEB (Schweizer Verband für Weiterbildung) und der Interkantonalen Konferenz für Weiterbildung IKW ausgetragen.

ZIELGRUPPE

GO richtet sich an gering qualifizierte Arbeitnehmer* Innen, für die Fortbildungen in Schweizer Unternehmen durchgeführt werden.

ZIEL

Ziel von GO ist es, am Arbeitsplatz benötigte Grundkompetenzen von gering qualifizierten Arbeitnehmer*Innen zu identifizieren und zu stärken. Durch die Durchführung innerhalb der Unternehmen wird die Hemmschwelle für die Teilnahme an Weiterbildung gesenkt, und die Arbeitnehmer* Innen können die sich ihnen bietenden Bildungschancen während der Arbeitszeit wahrnehmen. Die Fortbildungseinheiten sind kurz gehalten und auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Beschäftigten zugeschnitten. So können die jeweiligen grundlegenden Fähigkeiten, beispielsweise in den Bereichen Computer, Lesen und Schreiben oder Alltagsmathematik, besser gefördert werden. In der Folge sind sowohl persönliche als auch berufliche Entwicklungen zu beobachten, und das Vertrauen unter den Teilnehmenden in die eigenen Kompetenzen wächst. Die teilnehmenden Unternehmen, die in die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden investieren, erzielen auf diese Weise zahlreiche positive Ergebnisse für sich selbst und ihre Mitarbeitenden, wie zum Beispiel gesteigerte Motivation, Flexibilität usw.

METHODE/ANSATZ

Im Rahmen von GO werden die Bedürfnisse und unterschiedlichen Herausforderungen, vor die die Unternehmen gestellt sind, analysiert und die Fortbildungen entsprechend auf sie abgestimmt. Anhand einer fünfstufigen Methode wird die Effektivität der Fortbildungen garantiert und niedrigschwellige firmeninterne Weiterbildungsangebote bereitgestellt, die sich des Konzepts der aufsuchenden Bildungsberatung bedienen:

1. Anforderungsprofil: Ermittlung der am jeweiligen Arbeitsplatz benötigten Kompetenzen
2. Bedarfsanalyse: Ermittlung des Bildungsbedarfs bei den Mitarbeitenden des Unternehmens
3. Fortbildungsprogramm: Durchführung des Fortbildungsprogramms
4. Transfer: Umsetzung des Erlernten am Arbeitsplatz
5. Auswertung der Fortbildung

UMSETZUNG/ÜBERTRAGBARKEIT

Die im Rahmen von GO angewandten Methoden lassen sich ohne weiteres auf die Situation in anderen Ländern übertragen. Eine Internetseite für Unternehmen stellt Informationen und Checklisten bereit, anhand derer das jeweilige Unternehmen den Bedarf an Weiterbildung der Grundkompetenzen seiner Mitarbeitenden testen kann (www.weiterbildung-in-kmu.ch). Das Projekt hat viele nützliche Ergebnisse hervorgebracht, wie zum Beispiel das GO Toolkit zur Ermittlung des Bedarfs an zu stärkenden Grundkompetenzen, Fallstudien aus der Pilotphase des Projekts, den „KMU Leitfaden für Weiterbildung“, eine Dokumentendatenbank, Workshops für Dozent*Innen aus dem Bereich der Weiterbildung zur Verwendung der Projektmaterialien und einen Umsetzungsplan, in dem zahlreiche praktische Maßnahmen empfohlen werden.

WAS IST DAS BESONDERE AN DEM PROJEKT?

GO stellt Weiterbildungsanbietern ein Sammelsurium an Instrumenten zur Ermittlung des Fähigkeitsniveaus und Fortbildungsbedarfs von Beschäftigten zur Verfügung. Mit der Durchführung von Fortbildungen innerhalb der Unternehmen folgt das Projekt dem Ansatz der aufsuchenden Bildungsberatung. Das Konzept, Unternehmen kompakte und an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasste Fortbildungen nahezubringen, ist in der Schweiz neu. Die im Rahmen von GO1 und GO2 durchgeführten Evaluationen lassen auf gute Ergebnisse schließen.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN


ABAG Köln

ARBEITSPLATZBEZOGENE ALPHABETISIERUNG UND GRUNDBILDUNG ERWACHSENER IN DER REGION KÖLN, DEUTSCHLAND

ÜBER DAS PROJEKT

ABAG Köln ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt, das vom Verein „Lernende Region-Netzwerk Köln e.V.” und der Stadt Köln durchgeführt wird. Im Rahmen des Projekts werden arbeitsplatzorientierte Alphabetisierungs- und Grundbildungskonzepte für in Köln ansässige Unternehmen entwickelt. Ziel ist die nachhaltige Umsetzung des Projekts innerhalb der Unternehmen.

ABAG Köln ermittelt, welche spezifischen Arbeitsplatzanforderungen und Weiterbildungsbedarfe hinsichtlich der Zielgruppe in den Unternehmen vorhanden sind, um anschließend bedarfsgerechte Workshops und Fortbildungen zu entwickeln. Zu den möglichen Themen gehören Lesen, Schreiben, Rechnen, EDV, Kommunikation, Gesundheit, Kultur usw.

ZIELGRUPPE

Die von ABAG Köln anvisierte Zielgruppe sind gering qualifizierte und nicht alphabetisierte Mitarbeitende, die bei in Köln ansässigen kleinen, mittleren und großen Unternehmen beschäftigt sind. Ziel ist die Durchführung spezieller Workshops, Fortbildungen und anderer Lernplattformen, mit denen die Beschäftigten in ihrer Arbeitsumgebung gefördert werden können. Die Formen der Fort- und Weiterbildung sind variabel und werden jeweils an die Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst.

ZIEL

Ziel von ABAG Köln ist es, den hohen Prozentsatz an nicht alphabetisierten und gering qualifizierten Arbeitnehmenden zu senken und ihnen die Chance zu geben, wissensmäßig zu ihren Kolleg*Innen aufzuschließen. Nicht alphabetisierte und gering qualifizierte Menschen sind im Arbeitsalltag vor unterschiedliche Schwierigkeiten gestellt. So verstehen sie zum Beispiel den Inhalt von Formularen schlechter, können Dienstpläne oder E-Mails nicht lesen usw. Deshalb haben Personen mit solchen Defiziten es schwer, mit ihren Kolleg*Innen mitzuhalten, den eigenen Arbeitsplatz zu sichern und dort gute Leistungen zu erbringen.

METHODE/ANSATZ

Um mehr über die Bedürfnisse der Zielgruppe und die an sie gestellten Anforderungen zu erfahren, führten die Koordinatoren des Projekts in den Unternehmen Gespräche mit Führungskräften. Ziel war es herauszufinden, welche Aufgaben gering qualifizierte Beschäftigte bei ihrer alltäglichen Arbeit wahrnehmen und in welchen Bereichen Wissens- und Lernbedarf besteht. Dementsprechend wurde auch den Vertreter*Innen der Zielgruppe die Frage gestellt, welchen Lern- und Förderbedarf sie bei sich selbst sehen. Häufig kam es jedoch auch vor, dass neue Themen und Wünsche erst dann aufkamen, wenn die Schulungen bereits liefen.

UMSETZUNG/ÜBERTRAGBARKEIT

Das Konzept des Projekts „ABAG Köln“ lässt sich auch auf andere Zielgruppen und andere Städte bzw. Länder übertragen. Der wesentliche Aspekt des Projekts ist es, sich dorthin zu begeben, wo die Zielgruppe angetroffen werden kann, den Arbeitsplatz. Das Kurs-, Workshop- und sonstige Bildungsangebot muss sehr flexibel gestaltet sein und sich an den Bedürfnissen der Lernenden orientieren. Aus diesem Grund kann es bei der Durchführung verschiedener Fortbildungen hilfreich sein, mit mehreren flexiblen Dozent*Innen gleichzeitig in Kontakt zu stehen. Auch dauert es meist eine gewisse Zeit lang, bis ein Vertrauensverhältnis zur Zielgruppe aufgebaut ist, weshalb ausreichend Zeit und Geduld vorhanden sein sollten.

WAS IST DAS BESONDERE AN DEM PROJEKT?

ABAG Köln ist deshalb besonders, weil es für eine spezielle Zielgruppe benachteiligter Personen konzipiert wurde. Die Umsetzung des Projekts war sehr flexibel und richtete sich nach den Bedürfnissen der Lernenden. Die hieraus hervorgegangenen Ergebnisse für die Lernenden und die Unternehmen sind bemerkenswert und nachhaltig. Eine weitere Besonderheit ist der aufsuchende Charakter des Projekts – ABAG Köln erreicht die Menschen an ihren Arbeitsplätzen, indem es den Kontakt zu den sie beschäftigenden Unternehmen herstellt.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN

  • Lernende Region - Netzwerk Koeln e.V.
    Projektkoordinatorin: Dr. Sabine Schwarz
    Tel. +49 221/9908 29-236
  • www.bildung.koeln.de/abag

ABC+

ONLINE-WEITERBILDUNGSANGEBOTE FÜR GERING QUALIFIZIERTE ARBEITNEHMENDE, DEUTSCHLAND

ÜBER DAS PROJEKT

Beim Projekt ABC+ geht es um die Entwicklung einer virtuellen Lernplattform zur Vermittlung von berufsbezogenen Schriftsprachkenntnissen für Menschen mit Lese- und Schreibproblemen. Die Lernplattform steht online und kostenlos zur Verfügung unter www.abc-lernwerkstatt.de

Sie soll Menschen mit Lese- und Schreibproblemen helfen, eigenständig ihre Lese- und Schreibkenntnisse für den Beruf zu verbessern. Die Lernplattform wurde von Fachleuten entwickelt, die jahrelange Erfahrung in der Arbeit mit der Zielgruppe haben.

ZIELGRUPPE

Die Zielgruppe von ABC+ sind Menschen mit deutscher Muttersprache, die im Reinigungs-, Gastronomie- oder Gärtnereigewerbe arbeiten. In diesen Branchen ist der Anteil an Menschen mit Lese- und Schreibproblemen in Deutschland besonders hoch.

ZIEL

Ziel von ABC+ ist es, eine zum selbständigen Lernen motivierende Online-Plattform zu entwickeln, die viele interessante Informationen und Aufgaben enthält. Mit der Entwicklung der virtuellen Plattform hoffen die Projektverantwortlichen von ABC+, gering alphabetisierte Personen in ganz Deutschland zu erreichen.

Das Material kann in Alphabetisierungskursen, zur Förderung schwacher Schüler*Innen an Berufsbildenden Schulen, in Werkstätten für lernschwache Erwachsene und für fortgeschrittene Migrant*Innen eingesetzt werden.

METHODE/ANSATZ

Aufgrund des vorangegangenen Projekts ABC lag bei Projektbeginn ein guter Kenntnisstand über die Zielgruppe vor, was die Entwicklung der Lernplattform erleichterte. Berufsbezogene Inhalte werden durch einfach lesbare Texte vermittelt. Alle Texte wurden eingesprochen und können angehört werden. Zu den meisten Texten gibt es Übungsaufgaben. Der Berufswortschatz kann außerdem durch Lernspiele trainiert werden. Zum Nachschlagen von Wörtern gibt es berufsbezogene Wörterbücher. In Kurzfilmen werden wichtige Geräte erklärt und noch viel mehr gibt es zu entdecken. Alle Materialien wurden von Fachleuten aus dem Beruf geprüft und von betroffenen Lernenden erprobt. Um die Vertreter*Innen der Zielgruppe an die Benutzung der Plattform heranzuführen, kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:

1. Die Lernplattform wurde in Vorträgen und Workshops auf Fachtagungen und in Arbeitsgruppen vielen Lehrenden vorgestellt.
2. Die Arbeitswelt wurde informiert (Reinigungsunternehmen, gering qualifizierte Mitarbeiter* Innen beschäftigende Gastronomiebetriebe, Gärtnereien usw.).
3. Verschiedene für die Zielgruppe relevante Dachorganisationen (Volkshochschulverband, Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung) und Unternehmen wurden kontaktiert.

UMSETZUNG/ÜBERTRAGBARKEIT

Das Konzept des Projekts „ABC+“ ist innovativ und zielgruppengerecht. So soll die Plattform beispielsweise auch für die Benutzung auf Smartphones angepasst werden.

Leider ist das Projekt sehr kostspielig und die Entwicklung, das Testen und die Umsetzung einer solchen Plattform äußerst zeitintensiv. Andererseits sind seine Ergebnisse sehr nachhaltig. Auch lässt sich mit dieser Art von Projekt sehr leicht eine große Anzahl an Personen erreichen!

WAS IST DAS BESONDERE AN DEM PROJEKT?

Im Rahmen von ABC+ wird eine nachhaltige Möglichkeit für nicht alphabetisierte Arbeitnehmer* Innen entwickelt, den eigenen Lernprozess selbst in die Hand zu nehmen und dabei je nach Präferenz genau die Methoden und Zeit darauf zu verwenden, die individuell zum Lernen gebraucht werden. Nach ihrer Fertigstellung wird die Plattform für alle Benutzer*Innen kostenlos und überall dort verfügbar sein, wo ein Internetzugang vorhanden ist. Es gibt nicht viele Projekte, mit denen so viele Vertreter*Innen der Zielgruppe erreicht werden!

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN


Mobile Lernwerkstatt für gering qualifizierte Frauen aus ländlichen Gebieten

ÖSTERREICH

ÜBER DAS PROJEKT

Die Mobile Lernwerkstatt ist ein mobiles und flexibles Lernangebot, das mobil und direkt vor Ort in ländlichen Gemeinden angeboten wird. Ziel ist der Aufbau von IKT-Basiskenntnissen, Sprachund Kommunikationskompetenzen sowie selbstgesteuerten Lernkompetenzen bei bildungsbenachteiligten Frauen.

UMSETZUNG/ÜBERTRAGBARKEIT

Die Mobile Lernwerkstatt ist Ausdruck eines didaktischen Verständnisses, das die Lernenden in den Mittelpunkt der Lernprozesse stellt: Die Lernprozessmoderatorinnen entwickeln mit jeder Teilnehmerin einen individuellen Lernplan und setzten gemeinsam Lernziele fest. Im Laufe der Mobilen Lernwerkstatt werden die Teilnehmerinnen Schritt für Schritt an selbstgesteuerte Lernprozesse herangeführt. Zentral ist eine hohe praktische Verwertbarkeit der Lerninhalte. Inhaltlich ist das Angebot durch so genannte »Bildungsportionen« strukturiert und hat einen Umfang von 200 Unterrichtseinheiten. Das sind zeitlich überschaubare und thematisch fokussierte Lerneinheiten, die sich an den Lerninteressen, -kompetenzen und -möglichkeiten der Teilnehmerinnen orientieren. Sie umfassen folgende Inhalte:

➜ Kennenlernen und Teamentwicklung
➜ Pädagogische Diagnostik: Lesen- Schreiben-miteinander Sprechen
➜ Kommunikative Kompetenz – Hören und Sprechen
➜ Informations- und Kommunikationstechnologien und E-Government-Anwendungen
➜ Lernkompetenz - Lernen lernen
➜ SelbstLernTreff – selbstorganisierte Lerngruppe

Ein wichtiger Eckpfeiler ist die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Gemeinde, in der das mobile Angebot umgesetzt wird. Die Gemeinden werden für das Thema „ganzheitliche Bildungsstrategie am Land“ sensibilisiert und an der Umsetzung der Angebote aktiv beteiligt. Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister*Innen/Gemeindebediensteten und Multiplikator*Innen reicht von der Zielgruppenansprache über die Zurverfügungstellung eines ansprechenden Raumes für die Schulungen, der Nutzung der Medienkanäle der Gemeinden bis hin zur Überreichung der Teilnahmebestätigungen durch den/die Bürgermeister*In.

WAS IST DAS BESONDERE AN DEM PROJEKT?

Das erfolgreiche Projekt zeigt, dass Frauen am Land sehr wohl erreichbar sind, wenn sie richtig angesprochen werden, das Angebot inhaltlich auf ihre Bedürfnisse und der Ablauf auf ihre Möglichkeiten abgestimmt sind. Durch das Bildungsangebot profitieren auch die Gemeinden von einer höheren Lebensqualität. Ihr Selbstbild als Gemeinde wandelt sich dahingehend, dass sie sich durch das Angebot als Bildungs-Mitgestalter*Innen erleben und dies tatkräftig unterstützen.

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Literacy@Work

GRUNDBILDUNG FÜR GERING QUALIFIZIERTE ARBEITNEHMENDE, FRANKREICH

ÜBER DAS PROJEKT

Literacy@work ist ein europäisches, im Rahmen des Programms für Lebenslanges Lernen der Europäischen Kommission finanziertes Partnerschaftsprojekt.

Der Begriff Arbeitsplatzkompetenz bezieht sich auf diejenigen Fähigkeiten, die heutzutage am Arbeitsplatz benötigt werden, um effektiv Leistungen zu erbringen. Hierunter fallen Leseund Schreibkompetenz, Sprachkenntnisse, Rechenfertigkeiten und Computerkenntnisse. Das Thema Arbeitsplatzkompetenz stellt eine umso größere Herausforderung dar, wenn man bedenkt, dass knapp 80 Millionen Erwachsene, ein Drittel der gesamten arbeitnehmenden Bevölkerung Europas, lediglich über Grundfähigkeiten verfügen. Zudem wird laut Schätzungen die Zahl der Stellen für Geringqualifizierte in der EU von 2010 bis 2020 um fast 30% abnehmen.

Dies bedeutet, dass an den Arbeitsplätzen von heute bessere Fähigkeiten und ein höheres Bildungsniveau verlangt werden, als dies zu früheren Zeiten noch der Fall war, und dass Arbeitsplatzkompetenz in Zukunft noch stärker gefordert sein wird. Folglich muss die Verbesserung des Kompetenzniveaus am Arbeitsplatz zur Grundlage aller Unternehmens- und Mitarbeitendenentwicklung werden. Die Umsetzung des Projekts erfolgt im Rahmen einer transnationalen Partnerschaft bestehend aus A.L.P.E.S. (Frankreich), BFI OÖ (Österreich), C.D.I (Frankreich) und Zukunftsbau GmbH (Deutschland).

ZIELE UND ZIELGRUPPE

Hauptziele des Projekts literacy@work sind die Verbesserung der Fortbildungsqualität im Bereich Arbeitsplatzkompetenz in Europa sowie erstklassig ausgebildete Arbeitnehmende und gute Unternehmensleistungen. Die Zielgruppe des Projekts sind gering qualifizierte Arbeitnehmende, Unternehmen, die geringqualifizierte Mitarbeitende beschäftigen und Profis auf dem Gebiet der Erwachsenenbildung, die mit gering qualifizierten Arbeitnehmenden zusammenarbeiten.

METHODE/ANSATZ

Der Kampf gegen Geringqualifizierung hat einen starken Bezug zum Arbeitsplatz. Dabei entdeckten die Unternehmen das Problem selbst erst vor recht kurzer Zeit infolge des wirtschaftlichen Wandels (aufgrund neuer Qualitätsabläufe, die sich auf den gesamten Produktionsablauf und auch die dort beschäftigten Geringqualifizierten auswirken), der Verwendung von Informationsund Kommunikationstechnologien usw. In den Fortbildungen, die gegenwärtig in Unternehmen stattfinden, geht es häufig nicht um die eigentlichen Bedürfnisse der Unternehmen und die Geringqualifizierung unter den Mitarbeitenden.

UMSETZUNG

Die Grundidee des Projekts stammt von einer Art Experiment aus Neuseeland, in dessen Rahmen ein methodischer Leitfaden und eine Internetseite für Anbieter*Innen von Erwachsenenbildung entwickelt wurden, mit deren Hilfe das Problem stärker ins unternehmerische Bewusstsein gerückt werden sollte. Während der zweijährigen Laufzeit von literacy@Work arbeiteten die Projektpartner* Innen an Neufassungen des methodischen Leitfadens und der Internetseite. Im zweiten Schritt wurden die so an europäische Verhältnisse angepassten Tools in sechs Unternehmen mit mindestens 30 Mitarbeitenden aus Österreich, Frankreich und Deutschland getestet und validiert. Um Methode und Herangehensweise schließlich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue an den Ansatz von literacy@work angelehnte Fortbildungsansätze anzuregen, wurden Workshops für Profis aus dem Bereich der Erwachsenenbildung veranstaltet. Zu guter Letzt führten die Projektpartner*Innen Sensibilisierungskampagnen unter Unternehmen durch, um bei diesen Werbung für den von literacy@work erarbeiteten Ansatz eines Arbeitsplatzkompetenztrainings zu machen.

ÜBERTRAGBARKEIT

Die entwickelten Tools sind speziell an gering qualifizierte Beschäftigte gerichtet. Sie wurden in drei verschiedenen Ländern validiert und können somit auch in anderen Ländern eingesetzt werden.

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Kunt Meer

SUCHMASCHINE UND DATENBANK FÜR BENACHTEILIGTE ZIELGRUPPEN; NIEDERLANDE

ÜBER DAS PROJEKT

Jekuntmeer.nl (dukannstmehr) ist eine Initiative von of De Omslag, einer unabhängigen, visionären Einrichtung, die sich mit der Gestaltung von Projekten und vernetztem Arbeiten im Bereich aktiver Bürgerbeteiligung und Beschäftigung befasst. De Omslag hat die Funktion einer Schnittstelle zwischen mehreren Einrichtungen, die in den Bereichen gesundheitliche Versorgung und Wohlfahrt, gesellschaftliche Wiedereingliederung, Suchtbewältigung, Hilfsdienste für Behinderte, Wellness und Bildung angesiedelt sind. Durch die Unterstützung und Vernetzung, die diese Einrichtungen von De Omslag erhalten, wird gesellschaftliche Beteiligung und Integration unter benachteiligten Menschen gefördert.

ZIELE UNDZIELGRUPPE

Auf der Internetseite jekuntmeer.nl wird eine umfassende Übersicht über Bildungs-, Beschäftigungs- und Freizeitangebote in Amsterdam, Utrecht und Leiden bereitgestellt. Die Seite bringt damit Angebot und Nachfrage in den Bereichen Beschäftigung, Bildung und Freizeitaktivitäten zusammen, wodurch sie besonders gut auf die Bedürfnisse benachteiligter Gruppen abgestimmt ist. Jekuntmeer.nl ist eine Art soziale Landkarte, mit der sich benachteiligte Gruppen und soziale Einrichtungen einen klaren Überblick über alle stattfindenden Aktivitäten und sich bietenden Beschäftigungs- und Bildungschancen verschaffen können.

Auf den öffentlichen Teil der Internetseite kann zwar auch von der Allgemeinheit zugegriffen werden, sie widmet sich jedoch naturgemäß insbesondere benachteiligten Menschen, die sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen wollen. Im Detail handelt es sich hierbei um folgende Zielgruppen: Autist*Innen, chronisch Kranke, Obdachlose, unter Demenz Leidende, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Hirnläsionen, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Alkohol- oder Drogenabhängige, Menschen mit Seh- oder Hörschwäche, Migrant*Innen, gefährdete Jugendliche und junge Erwachsene sowie andere benachteiligte Gruppen. Alle diese Menschen haben es schwer, geeignete Freizeitbeschäftigungen und allgemeine und berufliche Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden und benötigen spezielle, in die jeweilige Lern- oder Arbeitsumgebung integrierte Hilfsstrukturen. Die Beschäftigungs-, Freizeit- und Bildungsangebote kommen größtenteils von sozialen Dienstleistern, Einrichtungen oder ehrenamtlichen Initiativen.

METHODE/ANSATZ

Jekuntmeer.nl wird in enger Zusammenarbeit mit den Förderagenturen der Lokalverwaltungen von Amsterdam, Utrecht und Leiden durchgeführt. Außerdem werden in allen Städten und angrenzenden Regionen ansässige soziale Dienstleister aktiv in die inhaltliche Entwicklung und Gestaltung der Internetseite miteinbezogen. Das heißt, die Seite stützt sich vollständig auf das Prinzip der Kooperation und des vernetzten Arbeitens.

Auf der Seite haben benachteiligte Gruppen die Möglichkeit, nach geeigneten Arbeits-, Bildungsund Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen. Sie ist benutzerfreundlich und enthält Filterfunktionen zum zielgenauen Durchsuchen der Angebote gemäß der eigenen Interessen und Bedürfnisse. Dies kann selbständig – ohne die Beihilfe eines Vermittlungsdienstes – oder mit Unterstützung einer Vermittlungseinrichtung geschehen.

UMSETZUNG

Jede Region hat ihren eigenen Seitenadministrator bzw. ihre eigene -administratorin, der/die eng mit den unterschiedlichen Organisationen aus den Bereichen Wohlfahrt und Pflege zusammenarbeitet und für die Inhalte der Internetseite verantwortlich ist. Arbeitgeber*Innen und Anbieter* Innen von Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten erhalten von den Administrator*Innen Anleitung und Unterstützung dabei, wie sie ihre Angebote direkt auf die Webseite hochladen können. So können sie ihre Angebote einer größeren Anzahl von Nutzer*Innen zugänglich und folglich auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Auch bei der Weiterentwicklung und Verbesserung der Internetseite werden die Anbieter* Innen aktiv miteinbezogen. Ihre Rückmeldungen wurden bei der Aktualisierung der Seite auf die aktuelle, im Sommer 2015 veröffentlichte und benutzerfreundlichere Version verwendet. Da die meisten Anbieter*Innen über eigene Webseiten verfügen, wurde eine spezielle Funktion eingebettet, durch die die entsprechenden Seiten direkt mit jekuntmeer.nl verlinkt werden. Auf diese Weise sind beide Internetseiten immer auf dem neuesten Stand. Vermittlungseinrichtungen erhalten eigene Anmeldedaten, die es ihnen ermöglichen, vorhandene Angebote entsprechend der Bedürfnisse ihrer Kund*Innen zu filtern. Auf der Seite erscheint dann eine Übersicht an Treffern mit der Zusatzinformation, ob das Angebot für den jeweiligen Kunden oder die jeweilige Kundin geeignet oder verfügbar ist. Ebenso besteht die Möglichkeit, die Anbieter*Innen zur Klärung von Details oder eventueller Teilnahmebedingungen direkt per E-Mail oder Telefon zu kontaktieren.

ÜBERTRAGBARKEIT

Jekuntmeer.nl war von vornherein für eine breite Zielgruppe konzipiert. Das Konzept kann jedoch ebenso auf spezifischer formulierte Zielgruppen angewandt werden. Es ist simpel und lässt sich gut auch auf die in anderen Ländern bestehenden Bedürfnisse übertragen. Jedoch bedarf es für die Umsetzung eines gut ausgebauten Netzwerks und einer kompetenten und gut aufgestellten Einrichtung, die die Koordination übernehmen und die Internetseite verwalten kann.

WAS IST DAS BESONDERE AN DEM PROJEKT?

Jekuntmeer.nl ist das perfekte Online-Tool, um Angebot und Nachfrage in den Bereichen Beschäftigung, Freizeitaktivitäten und Bildung zusammen zu bringen. Es berücksichtigt die speziellen Bedürfnisse benachteiligter Gruppen und basiert auf dem Prinzip der Kooperation und des vernetzten Arbeitens.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN


 

 

 

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